Auf der Probebühne 1 treffe ich die Protagonisten des ersten Labors.
Ein Raum mit grossen Spiegelwänden. Die 12 Mitglieder des St. Pöltener Chorprojekts Profact machen sich warm – mit Schokolade und privaten Gesprächen. Ich suche mir einen Platz, von dem aus ich in den Arbeitsprozess eintauchen kann. Sascha und Vadim Kolpakov betreten den Raum, wenig später kommt Etienne Abelin. Der Chor hat seine Stimme noch nicht ausgepackt. Seit 4 Tagen wird hier geprobt. Der eigentliche Auftritt findet in der Box statt.
Die Rroma Chöre sind in Vergessenheit geraten, die Tradition wird nicht mehr überliefert und ist fast verloren. In einem Prozess der Rück-Erinnerung werden hier die Stücke einstudiert, die seit den 50er Jahren nicht mehr überliefert werden. Das was die Generationen mündlich weiter gegeben haben, hat heute keine Bedeutung mehr.
Unter der Leitung von Stephan Laederisch und Etienne Abelin soll diese Tradition wieder belebt werden.
Die Hauptakteure Alexander genannt Sascha Kolpakov und sein Neffe Vadim sind im Auftrag der Bewahrung eines Weltkulturerbes unterwegs. Etienne erklärt mir hinterher, dass es sich um eine Art Rückerinnerung geht. Es gibt weder Aufnahmen, noch kann man die russische Rroma-Musik “nachhören”.
Also erinnern sich die Kolpakovs beim Spielen der Gitarre, beim Einsetzen des Chors zurück. Zurück an den Ursprung und verändern subtil Töne, Klänge und Gesang.
Sascha Kolpakov ist ein großer Mann voller Vitalität und Wärme. Er spricht weder deutsch noch englisch, dafür konsequent russisch. Und dennoch hat er die visuelle Energie, die es dem Chor erlaubt, ihn zu verstehen, in der universellen Sprache der Musik. Zusammen laden sie den Betrachter in ihre Welt ein.
Im Moment der Beobachtung kann ich die Einladung nicht verwehren. Ihre Energie überträgt sich unsichtbar und doch, nach wenigen Akkorden bin ich Teil des Ganzen, ich tauche ein in die Welt der Rroma Musik, in eine vergesse Zeit in einem vergessenen Raum.
Die Musiker setzen ein, kurze Zeit später der Chor. Ich werde berührt und mitgerissen, der Chor pustet etwas aus meinem Kopf und legt einen Zugang frei. Die einzelnen Sängerinnen und Sänger werden zu einem großen Organ und erzeugen eine Resonanz, die zu groß ist für den kleinen Raum.
Etwas fegt über mich hinweg. Und mich dabei mit. Wow. Ich habe Gänsehaut.
Es gibt neben dem Auftritt in der Box einen auf der grossen Bühne.









